Oft begegnen mir Hunde, die sich nicht mehr gut bewegen können oder haben Schmerzen haben, die aus einer Krankheit resultieren. Spreche ich dann auf das Übergewicht des Hundes an, höre ich leider oft diesen Satz:

„Er hat doch nur das Fressen, sonst kann er ja nichts mehr machen.“ 

Was ist das Problem an Übergewicht beim Hund?

Ein Hund mit Übergewicht leidet an eingeschränkter Beweglichkeit. Der gesamte Bewegungsapparat wird zusätzlich belastet und auch überlastet. Das Gewicht lastet auf den (oft geschädigten) Gelenken und erschwert die Bewegung. Denn z.B. im Trab lastet das 1,2-fache des Gewichts auf den Gelenken des Hundes – im Galopp ist die Last deutlich höher. Ein Teufelskreis, denn wenn ein Hund sich nicht mehr bewegen möchte, da ihm Bewegung Schmerzen bereitet, nimmt er auch leicht zu. 

Darüber hinaus sind Hunde mit Übergewicht auch anfälliger für z.B.:

  • Hauterkrankungen 
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Atemwegserkrankungen

Was ist das ideale Gewicht für meinen Hund?

Als Faustformel gilt: Bei ca. 10% über Idealgewicht spricht man von starkem Übergewicht.  Bei einem kleinen Hund von 10 kg also schon bei 11 kg! Dabei ist nicht immer entscheidend wie viel ein Hund aufs Gramm genau wiegt. 

Viel wichtiger ist, ob er gesund ist, so aussieht und sich entsprechend bewegt. Das muss individuell betrachtet werden und kann nicht auf eine Rasse oder Größe beschränkt werden. 

Woran erkenne ich Übergewicht beim Hund?

Grundsätzlich hilft als erstes ein Blick aufs Fell

  • Hat es einen gesunden Glanz?
  • Sind Schuppen zu sehen? 
  • Fühlt es sich stumpf an? 

Blick auf den Hundekörper

Dann folgt die Gesamtbeurteilung des Körpers. Ich unterscheide dabei in 5 Stufen:

Die Rippen und Hüftbeinhöcker sind deutlich sichtbar. Es besteht ein deutlicher Unterschied von Bauchlinie zum Brustkorb. 

Die Rippen sind mit der flachen Hand zu spüren. Ein Unterschied der Bauchlinie zum Brustkorb ist sichtbar. 

Der Hund wirkt gut propotioniert, eine Taille ist sichtbar. Die Rippen sind mit einer leichten Fettschicht bedeckt. Minimale Fettpolster am Bauch. 

Rippen sind mit einer deutlichen Fettschicht bedeckt. Keine deutliche Taille mehr sichtbar. Die Bauchlinie verläuft Richtung Knie.

Exreme Fettschicht auf den kaum noch oder garnicht mehr fühlbaren Rippen. Keine Taille mehr vorhanden. Fettpolster am Bauch bis zum Hängebauch. Zusätzlich Fettpolster an der Hüfte.

Was tun bei Übergewicht beim Hund?

Wenn Übergewicht erkannt wurde, ist schon ein wichtiger Teil getan – das Problem wurde erkannt. Nun geht es daran, das Gewicht des Hundes zu reduzieren.

Zunächst prüft einmal, was der Hund am Tag zu Fressen bekommt. Bekommt er Leckerli, einen Happen vom Tisch oder stibitzt sich draußen Leckereien? Das sollte bestenfalls unterbunden werden. Vielleicht macht eine Futterberatung Sinn für dich, damit dein Hund das Futter bekommt, das er benötigt. 

Ergänzend zur Futterkontrolle ist es ratsam, die Bewegung des Hundes auszubauen. Ist er vielleicht gemütlich und läuft nicht mehr viel? Zeit, die Bewegung wieder Bestandteil des Alltags werden zu lassen. Das sollte allmählich geschehen und nicht durch ein plötzliches, heftiges Sportprogramm. Für Kreislauf und Bewegungsapparat ist ein Programm sinnvoller, das langsam in den Anforderungen steigt. 

Ausgehend von dem normalen Alltag kann man beispielsweise am Tag 5-10 Minuten mit ruhigen Übungen beginnen. Eine Auswahl an Einsteiger-Übungen findest du hier.

Steigere nicht zu schnell die Intensivität und Dauer, denn die Bänder und Sehen müssen gekräftigt werden, um das Training überhaupt absolvieren zu können. Andernfalls sind Schädigungen vorprogrammiert. 

Wichtig ist, deinem Hund deinen eigenen Spaß an der Sache zu vermitteln und auch dem Hund damit Freude zu suggerieren. Dann macht er viel lieber mit und begreift das Sportprogramm als etwas Schönes, bei dem ihr zusammen etwas erlebt. 

Fazit

Übergewicht beim Hund ist etwas, das wir Menschen aktiv in der Hand haben und nicht einfach stehen lassen sollten. Übergewicht ist ungesund und zieht den ganzen Hundekörper in Mitleidenschaft. Durch sinnvolle Übungen kann der Hund langsam an Bewegung heran geführt werden und dabei Freude entwickeln. 

Habt ihr Fragen oder möchtet weitere Bewegungs-Ideen für eure Hunde? Schreibt mir eine Nachricht oder lasst mir einen Kommentar da.

Gruss, euer Tobias
Hundephysiotherapeut 

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