Bandscheibenvorfall beim Hund

Wenn die Diagnose “Bandscheibenvorfall” erstellt wird, ist der Schock groß. Aber was bedeutet ein Bandscheibenvorfall für deinen Hund? Ich erkläre euch, wo er am häufigsten auftaucht, wie ihr ihn erkennt, was dann zu tun ist und wie er behandelt werden kann.
Damit es möglichst nie zu einem Bandscheibenvorfall kommt, gibt es am Ende ein paar Übungen, um die Wirbelsäule deines Hundes fit zu halten. 

Funktion der Wirbelsäule des Hundes

Die Wirbelsäule des Hundes ist die Datenautobahn des Nervensystems und Ursprung gesunder Bewegung deines Hundes. In ihr liegt, geschützt durch die einzelnen Wirbel, das Rückenmark. Es reicht vom Gehirn bis zum Becken. Über diese Verbindung werden Informationen und Befehle in die Organe, Beine und alle wichtigen Bereiche des Körpers transportiert und wieder zurück gegeben. 

Eine gesunde Wirbelsäule ist für deinen Hund sehr wichtig. Gesunde Bewegung kann es nur mit einer gesunden Wirbelsäule geben. 

Die Wirbelsäule bei deinem Hund besteht normalerweise aus folgenden Wirbeln: 

  • 7 Halswirbel (C1-C7)
  • 13 Brustwirbel (Th1- Th13) 
  • 7 Lendenwirbel (L1-L7) 
  • 3 Sakralwirbel (S1-S3)
  • 20-23 Schwanzwirbel (Cy1-Cy20/Cy23)

Bei einigen Hunderassen gibt es davon Abweichungen. 

Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall?

Die Wirbelsäule ist in einzelne Wirbel aufgeteilt, in denen das Rückenmark verläuft. Unterhalb der Wirbel befinden sich die Bandscheiben, die als Stoßdämpfer zwischen den Wirbeln dienen. 

Die Bandscheibe besteht aus einem weichen Kern, der von einem festen knorpelähnlichen Faserring umgeben wird. 

Wenn die Bandscheibe durch einen Unfall, Knochenbrüche, Verrenkungen, meist aber durch Verschleiß als degenerative Veränderung in eine Lageveränderung kommt (die Bandscheibe geht „kaputt“ und verschiebt sich zwischen den Wirbeln), erhöht sich der Druck auf das Rückenmark. Die Datenautobahn ist unterbrochen, die Informationen fließen nicht mehr weiter. Daher kann zu Ausfällen der Nerven im Körper oder den Gliedmaßen kommen. 

Im Bild siehst du einen Teilaufbau der Wirbelsäule mit normalen und veränderten Bandscheiben

 

Wie erkennst du einen Bandscheibenvorfall? 

Die Wirbelsäule deines Hundes ist lang. Es gibt viele verschiedene Bereiche, in denen es zu einem Bandscheibenvorfall kommen kann. Je nachdem, wo der Bandscheibenvorfall auftaucht, können sich die Anzeichen unterscheiden: 

  • Verspannung im Rücken
  • Schmerzen oder Aufschreien des Hundes bei einem akuten Bandscheibenvorfall
  • Bewegungsunlust
  • Springen und/oder Treppensteigen wird verweigert
  • Überempfindlichkeit beim Streicheln des Rückens
  • Lahmheit in den Gliedmaßen
  • Teilweise oder vollständige Lähmungen der Beine
  • Koordinationsstörungen
  • Fischrobbenstellung (Rücken gekrümmt, Kopf wird hängen gelassen, Vorderbeine unter den Körperschwerpunkt geschoben)

Wenn du eines oder mehrere dieser Symptome bei deinem Hund erkennst, solltest du deinen Hund von deinem Tierarzt checken lassen.

Wenn es ein akuter Fall ist, der durch einen Unfall oder plötzlich aufritt und dein Hund deutliche Anzeichen wie Lähmungen und Schmerzen oder Schmerzensschreie zeigt, fahre bitte sofort in eine Klinik! Bei einem akuten Bandscheibenvorfall sind die ersten 12 Stunden entscheidend für die Heilung. Wenn durch zu großen Druck das Rückenmark abgeklemmt wird, werden schnell auch Nerven und Muskeln nicht mehr richtig versorgt. Hierbei ist also Eile geboten, damit das Schlimmste vermieden werden kann. 

Wie kannst du einen Bandscheibenvorfall verhindern? 

Damit es garnicht erst zu einem Bandscheibenvorfall kommt, solltest du deinen Hund möglichst fit halten:

  • Achte darauf, dass sein Gewicht im Normalbereich liegt.
  • Mit Abwechslung in den Spaziergängen bekommt der Köper verschiedene Reize. Such dir zur Abwechslung verschiedene Wege für euren Spaziergang. Waldboden, Feldweg, sandiger oder fester Untergrund, auch einmal bergauf oder bergab, sind gute Abwechslungen und halten auch die Wirbelsäule in Bewegung.
  • Bevor es auf die Spielwiese oder ans Ballwerfen geht, wärme deinen Hund auf und bereits ihn auf die Arbeit vor.
  • Ständiges Springen in und aus einem Kofferraum sollte vermieden werden. Eine Rampe, Treppe oder ähnliches kann hier helfen.

Alle Übungen kannst du 1-2 Mal die Woche auf einem Spaziergang oder Zuhause mit deinem Hund machen. Die Übungen sind für einen gesunden Hund gedacht. Sollte dein Hund Probleme damit haben, eine Übung verweigern oder auch eins der Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall zeigen, sprich bitte mit deinem Tierarzt oder Physiotherapeuten. 

3 wirksame Übungen für eine fitte Wirbelsäule:

Wenn du zusätzlich noch etwas aktiv für die Wirbelsäule deines Hunde machen möchtest, findest du hier meine Top 3 Übungen:

1. Übung: Pfoten heben

Stell dir vor, du kommst nach dem Regen mit diesem Hund nach Hause. Wenn du deinen Hund zuhause abtrocknest, geht es meist auch an die Pfoten. Immer dann, wenn du eine Pfote zum Abtrocknen anhebst, muss dein Hund das Gleichgewicht halten. Diese Übung fordert auch die Wirbelsäule. 

Durchführung:

  • Such dir einen rutschfesten Untergrund. Dein Hund steht auf allen vier Pfoten. 
  • Hebe nacheinander jede Pfote für ca. 3-5 Sekunden ein paar Zentimeter an. 
  • Gib deinem Hund bei jedem Anheben einen Moment Zeit, sein Gewicht zu verlagern. 
  • Zwei bis drei Wiederholungen pro Bein genügen für den Anfang. 

2. Übung: Slalom

Auf jedem Spaziergang kannst du einfach den Slalom durch deine Beine einbauen. Es dient nicht nur als Dehnung der Wirbelsäule, sondern kann auch zum Aufwärmen genutzt werden. 

Durchführung:

  • Mach einen Ausfallschritt nach vorne.
  • Locke deinen Hund von innen unter deinem Bein durch und außen dran vorbei. 
  • Achte darauf, dass du die Übung von links nach rechts und von rechts nach links durchführst.
  • 10-12 Wiederholungen genügen.

3. Übung: Sitz/Steh-Wechsel

Eigentlich eine einfach Übung, aber die meisten Hunde die ich kennenlerne, beherrschen ein einfaches „Steh“ nicht. 

Durchführung:

  • Als Ausgangsposition dient uns das „Sitz“. 
  • Wenn dein Hund das Stehen noch nicht kennt, versuche deinen Hund mit einem Leckerli aus dem Sitz nach vorne in eine stehende Position zu bringen. 
  • Führe am Anfang nur die Bewegung ohne eine Kommando aus. 
  • Wenn dein Hund die Bewegung verinnerlicht hat, kannst du es mit einem Wort wie „Steh” verknüpfen. 

Fazit

Der Bandscheibenvorfall ist, wie ich finde, eine der schlimmsten Erkrankungen der Wirbelsäule. 

Wichtig ist es, deinen Hund zu beobachten und auf die Anzeichen zu achten. Wenn du das im Blick hast und deinen Hund fit hältst, kannst du einen Bandscheibenvorfall vermeiden. 

Wenn du noch Fragen zum Bandscheibenvorfall oder der Wirbelsäule hast, kontaktiere mich.

Gruss, euer Tobias
Hundephysiotherapeut

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